Mein erstes Mal im Business Class Cinema
 | | Gelungene Siebziger-Retro-Kulisse: Paragon Cineplex | Wie das Kino in ein paar Jahren in Deutschland aussehen sollte, das kann man schon heute in Bangkok besichtigen.
Von Christian Scheuß
Das Kino ist schon seit Jahrzehnten bedroht durch das Fernsehen. Erst die Errichtung der Multiplexkinos in den Neunzigern mit ihren großen Sälen und neuer Vorführtechnik stoppte den Besucherschwund voriger Jahre. Jetzt, wo Dolby-Surround daheim fast Standard ist, und der riesige flache LCD-Fernseher mit Blu-Ray-Player Einzug ins Wohnzimmer hält, werden sich die Kinobetreiber wieder neu erfinden müssen, wollen sie nicht untergehen. Wie das Kino in ein paar Jahren in Deutschland aussehen sollte, das kann man schon heute in Bangkok besichtigen.
Design, Luxus und Schnickschnack, das sind die drei Elemente, die den Kinobesuch hier ausmachen. Während die Multiplexe in Deutschland oft den Eindruck eines ins Gigantische aufgeblasenen spießigen Wohnzimmers machen, haben sich in den Kinokomplexen, die auch nicht auf der grünen Wiese, sondern in den obersten Stockwerken der großen Kaufhäuser liegen, die Designer ausgetobt. Besonders gelungen die Siebziger-Retro-Kulisse des Kinos im Siam Paragon, die konsequent bis in die Kinosäle hinein umgesetzt wurde. 150 Baht (etwa drei Euro) zahlt man für den normalen Kinogenuss im komfortablen Sessel.
 | | Wie in der Business Class: VIP-Sitz ab acht Euro | Für ein paar Euro mehr erhält man Zugang zum Kino mit Service. Ich bin vor ein paar Jahren einmal versehentlich dort hingeraten, hatte mich noch über den hohen Preis von acht Euro gewundert, und war erst recht irritiert, als eine Art Kellner mit weißen Handschuhen auf mich zukam, mich persönlich zu meinem Sitz geleitete, mir eine Decke reichte und eine eiskalte Cola im Glas servierte. Die Sessel waren gigantisch breit, und elektrisch verstellbar, so dass man den Film liegend genießen konnte. Die Decke war sehr sinnvoll, da die Klimaanlagen in den hiesigen Kinos stets auf gefühlte minus 10 Grad eingestellt sind. Der Sound in diesem Saal war zudem so bombastisch, dass ich das Gefühl hatte, mir fliegen in "Matrix 3" wirklich die explodierenden Maschinenwesen um die Ohren. Neben dieser "Businessklasse" gibt es noch eine "First Class", exklusive Clubkinos, die man komplett für Gruppen buchen kann, Service, Drinks und Häppchen inklusive.
Mit Schnickschnack ist nicht nur die Membercard und das Bonussystem gemeint, das es für jedes Kino gibt. Oder die schreckliche Koppelung von überflüssigen Merchandisingprodukten an den Kinobesuch, die man natürlich nur erhält beim Kauf einer extra großen Portion Popcorn mit Megacola. Gemeint ist vor allem technischer Schnickschnack. Wenn Brendan Fraser statt Mumien zu jagen zum Mittelpunkt der Erde reist, um dort vor Sauriern davonzulaufen, wird selbstverständlich groß Werbung für die 3D-Version gemacht.
 | | Lohnend bei Action-Filmen: 3D-Kino im IMAX-Format | Das schrecklich schlechte Remake von "Journey to the Center oft he Earth" arbeitet dabei mit der alten Rot-Grün-Brillentechnik, wie sie seit den fünfziger Jahren gebräuchlich ist. Und seitdem auch Blockbuster (zumindest teilweise) im IMAX-Format produziert werden, macht es auch Spaß, dort hineinzugehen. Sonst werden dort ja nur schnarchige Tierfilme gezeigt. Bei den Actionszenen von "The Dark Knight" springt das übliche Letterbox- auf ein 4:3-Format um, ein Seitenverhältnis wie bei den alten Fernsehern. Nur das die Leinwand vor einem etwa 20 Meter hoch ist. Das ist in der Tat beeindruckend.
Nur eines sollte Deutschland nicht importieren aus den Kinos in Thailand. Vor Beginn des Hauptfilms wird stets ein Trailer mit einer Hymne für den König abgespielt, bei dem alle Besucher aufstehen müssen, um dem Königshaus Respekt zu erweisen. Die Hymne ist, zugegeben, wirkungsvoll - ich bekomme jedesmal eine Gänsehaut - aber ich möchte in Deutschland nicht für Horst Köhler stramm stehen wollen…
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