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  Reiseberichte > 13. Juni 2005
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Bangkok für Einsteiger

Wat Pho: Die Zehen des liegenden Buddha
Wer Thailands Hauptstadt langweilig nennt, muss blind und taub sein. Eine Einführung für Neulinge.

Von Dennis Klein

Zum ersten Mal in Bangkok: Der gemeine deutsche Homo-Touristen muss sich auf ein Bombardement von Sinneseindrücken gefasst machen. Die Stadt ist laut, schnell, schwül-heiß und cruisy. Von Verkehrsberuhigung oder Feinstaub-Konzentration redet hier niemand. Selbst Berlin wirkt im Vergleich zur Thai-Metropole wie ein bescheidenes Kuhdorf.

Schon auf der Taxifahrt vom Flughafen zum Hotel steigt einem der Angstschweiß ins Gesicht: Da düst der Fahrer mal gerne mit 140 Sachen durch die Innenstadt - sofern er das kann. Denn meist wartet man im Stau oder an Ampeln, die nur sehr behäbig mal auf Grün springen. Um die stehenden Fahrzeuge herum suchen sich Motorräder die beste Ausgangsposition für die nächste Grün-Phase - Verkehrsregeln wie in Europa wären da nur hinderlich.

Bangkok ist riesig - die Idee, alles zu Fuß abzulaufen, begraben selbst Spaziergänge liebende Touristen schnell. Am besten kann man die Stadt mit dem Skytrain und der neuen U-Bahn erkunden, das Bussystem hingegen ist eine Wissenschaft für sich. Abseits der Rush-hour empfiehlt sich auch das Taxi: Stadtfahrten kosten normalerweise maximal 3 Euro - meistens zahlt man nur wenige Cent. Entgegen allen Gerüchten schalten die allermeisten Fahrer automatisch das Taxameter ein, Die Idee, in einem Mietauto durch Bangkok zu fahren, sollte man nicht weiter verfolgen, außer man will sich hoffnungslos verirren oder von seiner Auslands-Krankenversicherung Gebrauch machen.

Wahrzeichen der Stadt: Wat Arun
Ein ruhiger Einstieg in die Thai-Kultur ist ein Besuch des Königspalastes und des Tempels Wat Pho. Hier kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus: Umgeben von einem Kaleidoskop prächtiger Farben und Formen fühlt sich ausnahmslos jeder wie in einer anderen, mystischen Welt - selbst wenn man umringt ist von gackernden japanischen Touris und deren Videokameras. Ein paar Schritte vom Palast entfernt liegt Wat Pho, der älteste und heiligste Tempel der Stadt; er beherbergt den 46 Meter langen liegenden Buddha. Obgleich er bei Besuchern beliebt ist, beten noch immer viele Thais dort und bringen dem goldenen Buddha Gaben - ein beeindruckendes Schauspiel. In der näheren Umgebung finden sich noch viele anderer Tempel - für Kultur-Touristen ist Bangkok ein Mekka.

Auf der anderen Seite des Chao-Phraya-Flusses befindet sich Wat Arun, der Tempel des Sonnenaufgangs, dessen 74 Meter hoher Turm die Silhouette der Stadt mitbestimmt. Die fröhlich dekorierten Gebäude bilden einen starken Kontrast zu den eher kühlen christlichen Kirchen des Westens. Über den Fluss kommt man für ein paar Cent mit einem Linienboot, das alle paar Minuten ablegt.

Das Touristen-Programm macht Hunger: Wer echte Thai-Küche kosten will, sollte KFC und Mc Donald’s links liegen lassen und sich auf die vielen Stände am Straßenrand einlassen. Für ein paar Baht kriegt man hier alles von der einfachen Suppe bis zu ausgefallenen fleischlichen Genüssen - selten sprechen die Garköche Englisch, einfach mit dem Finger zeigen, was man möchte. Allerdings sollte sich der durchschnittliche Tourist im Klaren sein, dass die Gerichte hier weit schärfer gewürzt sind als in deutschen Thai-Restaurants. Das haut den Bratwurst gewöhnten Magen schnell um - eine Packung Immodium sollte daher immer im Rucksack bereitgehalten werden.

Touristen treffen Thais und Elefanten: Balcony Bar in Silom Soi 4
Wer am Abend noch die Kraft hat, in die Szene zu gehen, wird reichlich belohnt: Die bei Touristen beliebten Schwuppenschuppen befinden sich auf der Silom Soi 4. Die freundlichste Kneipe ist die Balcony-Bar; hier kann man in kleinen Tischen draußen sitzen und sowohl Touristen als auch Thais beobachten. Besonders empfehlenswert: Für knapp fünf Euro kann eine ganze Flasche Whiskey samt Eis und Mixern bestellt werden - und ein hübscher Kellner schenkt in regelmäßigen Abständen nach. Tanzhasen müssen danach nur einige hundert Meter weitergehen in die Silom Soi 2 zur DJ Station, der angesagten Gay-Disco der Stadt. Nach ein paar Whiskeys und ersten Gehversuchen auf Englisch seit der Schulzeit dürfte hier der Kontaktaufnahme nichts im Wege stehen.

Egal, ob man Kultur, Zerstreuung, Party oder Sex sucht, hier wird jeder fündig. Und anders als in der gewöhnlichen europäischen Großstadt sind die Leute ausnahmslos freundlich. Nach ein paar Tagen in Bangkok jucken dann auch das Chaos und die Feinstaubbelastung nicht mehr.

Siehe auch Bericht: Schöner Schwitzen in Bangkok
Siehe auch Bericht: Mein erstes Mal im schwulen Massagesalon
Alle Szeneadressen in Bangkok im Gay Guide

 

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