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  Filmtipps > 03. Januar 2006
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Miss Lady Boy

Verstoßen von der Familie, Erfolg auf der Bühne: Kant
Für Trash-Fans ein echter Genuss: Die Thai-Komödie wartet mit jeder Menge schriller Momente auf.

Von Carsten Weidemann

Kant (Paripate Raksantishanti) wird von seinem Vater aus dem Haus und damit aus dem Dorf verscheucht, weil er sich als Frau kleidet und fühlt. Sein Bruder und seine Schwester freuen sich, stehen sie doch voll hinter dem Vater und reden diesem auch noch gut zu. Nur die Mutter ist verzweifelt. Kant flieht nach Bangkok und findet dort Unterschlupf beim Transsexuellen Nong. Der vermittelt Kant an ein Variété-Theater, in dem die Transsexuellen-Diva Fah (Sarocha Artenitkul) die Massen begeistert. Kant findet Gefallen am Showbusiness und macht schnell Geld. Doch da taucht sein alkoholkranker Macho-Bruder Kluay in der Stadt auf. Und mit ihm Probleme. Wird Kant sich mit seiner Familie versöhnen und den Durchbruch als glamouröse Super-Tranny schaffen?

Ausheulen bei Mutti: Aus dem Familiendrama entwickelt sich eine schrille Komödie
Das Phänomen der Ladyboys in Thailand, also der als Frauen lebenden transsexuellen Männer, ist ein hochinteressantes. Geschichte, Kultur und Vermarktung sind allemal ein gutes Drama wert. "Miss Lady Boy" ist mit Sicherheit kein ernsthaftes Drama, auch wenn es am Anfang den Anschein hat. Viel eher fällt das Werk in die Kategorie "schamloser Trash-Spaß". Schon die Besetzung gibt einiges her. Die groß als "Miss World of Lady Boy" und "Miss Tawanna" angekündigten Jungs sind wahrlich zum Anbeißen. Es braucht eine gewisse Zeit, um sich daran zu gewöhnen, dass aus den Mündern dieser Model-Schönheiten Männerstimmen kommen.

Schöner Schein: Auch im Showgeschäft lauern Intrigen
Vor allem Kant macht mit seinem fragilen Gesicht so mancher Frau Konkurrenz. Schauspielerisch geben die Beteiligten alles - was sich insbesondere in ausdrucksstarker Grimassenschneiderei entfaltet. Kant steht meistens hilflos geduckt in der Gegend rum, während um ihn herum die Handlung abläuft. Auch die bedeutungsschwangeren Gesichter der Familie entlocken unfreiwillige Lacher und dürften gewaltige Spaßmomente auf jeder Thai-Party bescheren.

Genau das ist die größte Stärke des Films: Anstatt brisante Themen anzuschneiden wird der Aufstieg zur "Miss Lady Boy" schrill und bizarr abgespult. Die Story erinnert phasenweise an den amerikanischen Trash-Klassiker "Showgirls". Auch in "Miss Lady Boy" wird herrlich gezickt und gekreischt. Intrigen im Showgeschäft und böse Familienmitglieder, die einem das Leben schwer machen, bilden den zentralen Punkt in "Miss Lady Boy". Dass in den englischen Untertiteln immer wieder von "bisexual" die Rede ist, verwirrt allerdings besonders am Anfang. Offensichtlich hat der Verleih beim Übersetzer etwa zu sehr gespart…

Miss Lady Boy, Thailand 2005, Regie: Voy Chanodome, Darsteller: Paripate Raksantishanti, Day Freeman, Jojo Dominance, Sarocha Artenitikul, Länge: 110 min

Die in Thailand erschienene Original-DVD "Miss Lady Boy" kann zum Preis von 12,90 Euro (inklusive Versandkosten) auf gay-thailand.de bestellt werden (Sprache: Thai mit englischen Untertiteln). Die DVD ist Region-free und kann daher auf allen DVD-Playern abgespielt werden.

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