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  Aktuelles aus Thailand > 17. März 2008
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Ein Farang als Betrüger

Beim Check-In kam für die Geprellten die böse Überraschung
Ein schwuler Deutscher verkaufte in Chiang Mai ungültige Flugtickets - zwei Hetero-Farangs haben ihn jetzt in Pattaya geschnappt

Anfang März war die Aufregung groß in Chiang Mai: Der schwule Deutsche M. hatte sich als Reisebüromitarbeiter ausgegeben und gefälschte Flugtickets in einem Gesamtwert von rund 800.000 Baht an 18 andere Farangs verkauft. Als die ersten ihre Reise antreten wollten, stellte sich heraus, dass die Tickets ungültig waren - und M. war verschwunden.

Letzte Woche wurde der Betrüger nun von Micha, dem (heterosexuellen) Besitzer der Pension "Zur Grünen Oase", wo M. zuletzt gewohnt hatte, sowie einem der Geprellten aufgespürt - in Pattaya. Micha hat aufgeschrieben, wie der Betrüger gefunden und überführt wurde. Wir dokumentieren seinen Bericht, der sich spannender liest als viele Kriminalromane…


Nachdem bekannt wurde, dass M. einigen Gästen der "Grünen Oase" und anderen Menschen falsche Flugtickets verkauft und das Geld einbehalten hat, haben sich Mike, auch ein Geprellter, und ich mich auf den Weg gemacht, den Herrn zu suchen. Das, was da heraus kommen soll, ist so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto…

Trotz aller Bemühungen bei der Polizei, Anzeige wurde von allen Geschädigten gemacht, einen Haftbefehl zu erwirken, passierte gar nichts. Also, stellte sich die Frage, wie können wir diesen Halunken denn im großen Land Thailand finden. Wenn er denn nicht schon das Land verlassen hat...

Da M. sich gerne in der Schwulenszene herumtreibt, machte die Sache schon ein bisschen einfacher. Aber, wo könnte er sich denn aufhalten? Chiang Mai war, logischerweise, zu heiß für ihn. Bangkok, eher nicht, da ist er vor Jahren schon mal abgehauen und hat noch bei einem Freund Schulden. Die Inseln oder Phuket? Keine Ahnung! Pattaya, die ideale Stadt zum Unterschlüpfen? Möglich!

Da kam die Idee: M. hält sich gerne auf speziellen Schwulen-Homepages auf und sucht dort Bekanntschaften. So melde ich mich dort unter einem Pseudonym an und erstellte ein Profil von mir. M.s Nick Name hatte ich von einem Bekannten erfahren, so konnte ich ihn direkt anchatten. Ich war in diesem Moment "Lady-Jenny", ein Ladyboy aus Thailand, neu in Pattaya, sexy, mit großem, naja, ihr wisst schon....

Man soll es nicht glauben, aber schon einen Tag später kam vom M. die Antwort - mit Fotos, seinen Vorlieben, der Soi in Pattaya-Jomtien, wo er wohnt, und seiner Telefonnummer. Er hatte direkt um ein Date gebeten. Das sollte er schon noch bekommen, dachte ich mir…

Da wir nicht genau wussten, wo und in welchem Haus er wohnt, konnten wir nur eins tu: Hin nach Pattaya-Jomtien und dann um die Gegend, wo mehr oder weniger die Schwulen zu Hause sind, zu recherchieren, an jedem Haus anzuklopfen, mit Foto in der Hand, zu fragen, ob denn jemand diesen Herrn gesehen hat oder kennt

Nach stundenlanger Kleinarbeit der Erfolg: Eine Frau kannte ihn bzw. hatte ihn schon mal gesehen: "Er wohnt dort in diesem Haus. Ich zeige es ihnen." Der Eigentümer vom Wohnhaus, wir hatten dort angeklopft, sagte uns, dass M. am Strand wäre und erst gegen fünf Uhr abends zurückkehren würde. Verdammt, noch ca. sechs Stunden warten. Ist er denn auch wirklich am Strand? Shit! Was ist, wenn der Eigentümer M. anruft? Der Ladyboy vom Eigentümer hatte schon das Handy zur Hand…

"Ich kann Ihn ja anrufen!" Verdammt. Bloß nicht, der lässt alles auffliegen.
"Danke, aber nicht nötig, wir wollen noch ein Geschenk kaufen, ihn überraschen!"

Wir hatten uns zwar unter falschen Namen vorgestellt, ja, wir haben uns sogar auf Fragen des Eigentümers hin geoutet, damit nicht voreilig M. informiert wird. "Wir sind gute Freunde, auch schwul und wollen den M. halt mal sehen." Als wir gehen wollten, sagte der Typ noch, wir könnten ein Zimmer bei ihm bekommen. Aber, in diesem Moment mussten wir erst mal raus da, um zu überlegen, wie´s denn nun weiter geht.

In Pattaya wurde der Betrüger gefasst
Gegenüber war ein typisch kleiner Thai-Shop mit Tisch und Stühlen, von dem wir das Haus observieren konnten. Eine halbe Stunde später rufen wir die Polizei zu Hilfe. Erster Anruf bei der örtlichen Polizei: kein Wort Englisch. Der Beamte gab uns die Telefonnummer von der Touristenpolizei. Mike hat denen kurz die Situation geschildert, und die Polizisten wollten in den nächsten 10 Minuten kommen. Nach einner halben Stunde war noch immer keine Sau zu sehen.

Als auch nach zwei Stunden nichts passierte, lief uns der Schweiß in Strömen. Da sagte ich zu Mike: "Okay, ich gehe jetzt runter an den Strand, denn besser ich beobachte den M. und sehe was er macht, als wenn er uns durch Zufall überrascht".

Diese 1,5 Kilometer bis zum Beach waren die Hölle. Kein Schatten und ich musste äußerst vorsichtig sein und langsam laufen. Wo konnte er sein? In jedem Restaurant, in jedem Internet-Shop, in jedem Café oder Buchladen, mein Gott, ich war aufs äußerste angespannt. Basecap auf, mein Gesicht mit dem Telefon verdeckt, ich war sozusagen am Dauerquatschen, an was man alles denken muss. Wir sind ja schließlich keine Detektive.

Als ich endlich am Strand war, kam das nächste Problem: Alle sind dort nackt. M. hat zwar eine markante Figur: groß und dick. Doch die meisten waren groß und dick dort. Die meisten trugen zudem eine Sonnebrille oder hatten einen Sonnenhut auf. Wie sollte ich M. erkennen? Mir lief das Wasser nur so hinunter. Schwimmen konnte ich nicht gehen, da ich keine Badehose dabei hatte... Nachdem ich den Strand 40 Minuten beobachtet hatte, war ich sicher: M. ist nicht dort. Okay, wieder zurück. Mike wartete ungeduldig.

"Ist die Polizei mittlerweile gekommen?" Blöde Frage von mir, natürlich nicht.

Mike hielt es nicht mehr aus. Er meinte: "Okay, wir nisten uns direkt in der Höhle des Löwen ein."

"Was? Du willst da ein Zimmer nehmen? Ein bisschen verrückt bist du aber auch", meinte ich spontan. Doch vielleicht war die Idee gar nicht so schlecht. Okay, Mike rein und Zimmer gemietet, genau gegenüber von M. Der Hammer! Mike kam zurück, ich wartete immer noch in dem Shop, wir observierten wieder.

"Der Vermieter will einkaufen gehen, dann ist der schon mal mit seinem Ladyboy nicht da", freute sich Mike.

Wir warten und warten und warten. Keine Aktivitäten. Durst und nochmals Durst. Hunger haben wir schon lange nicht mehr. Der Stress hatte das Hungergefühl wie weggeblasen. Tage ohne Essen und Schlaf. Voll verrückt Warten, dummes Zeug reden, Langeweile und doch höchste Konzentration.

Ein Taxi kommt. Wird langsamer, ich denke schon, da kommt er wohl - und tatsächlich, ich sehe durch die kleinen Fenster, es bewegen sich nur zwei Personen und steigen aus: M. und sein Freund. Ich rutschte gleich von meinem Stuhl und beobachtete nur noch über die Tischkannte hinweg. Meine Kamera, wo ist meine Kamera? Ich mache ein Foto. Verdammt, das Scheiß-Ding ist aus, stand wohl zu lange im Standby. Kenne mich mit der Technik nicht so gut aus. M. mit Ladyboy ging jedenfalls rein ins Haus. Verdammt. Mein Herz raste, meine Finger und Knie zitterten. Solch ein Stress! Wahnsinn, dieses Gefühl kannte ich noch gar nicht. Was nun?

Mike, nach fünf Minuten: "Los, wir gehen rein."

Ich hatte auf einmal Schiss, was uns dort erwarteten würde. Ich sagte: "Komm, ich versuche nochmal die Polizei..."

"Nee, Micha. Ehe die hier ist, geht der vielleicht wieder raus, und was dann?" Mike hatte wohl recht.

"Und wenn Du jetzt nicht mit rein kommst, dann gehe ich alleine!"

130 Kilo auf der Straße festzuhalten wird bestimmt nicht einfach, dachte ich. "Okay, Mike." Mitgehangen, mitgefangen. Los geht’s!"

Schlüssel hatten wir ja nun, wir waren ja offiziell angemeldet. Mike versuchte den Schlüssel in Schloss zu stecken, aber er war genauso aufgeregt wie ich. Die Hand zitterte, der Schlüssel passte auf einmal nicht, er ging nicht rein. Er versuchte den Schlüssel in einer andere Position - Fehlanzeige.... Dann dreht Mike den Türknopf auf, er war gar nicht zugeschlossen. Oh, mein Gott... wie im Film...

Zunächst rein in unser Zimmer, beruhigen. Klaren Kopf einschalten, kurz kaltes Wasser ins Gesicht und dann rüber zu M.

Klopf, klopf, klopf... "Einen Moment bitte!" Es war die Stimme von M. Die Tür ging auf und wir gingen rein. M., der geöffnet hatte, bekam einen Schock.

"Wo ist das Geld?", fragte ich. "Wo ist meine Kohle?", sagte Mike.

Unglaublich, M. hatte das ganze Geld ausgegeben. Schon in Chiang Mai hatte er begonnen, die Einkünfte aus den Ticketverkäufen zu verpulvern. Der hatte echt nichts mehr über, hatte mit dem Geld des einen des anderen Loch gestopft. Dann Angst bekommen und nichts wie weg. Er wusste ja, wann der erste fliegen musste, dann kommt alles raus.

Uns war das egal, wir wollten unser Geld haben: "Rufe deinen Vater an! Der soll helfen!", schrie ich ihn an.

"Aber ihr holt doch keine Polizei, oder?"

"Das wissen wir noch nicht, nur das Geld wollen wir."

Nach langem Hin und Her und drei Stunden Überredungskunst von M stellte sich heraus, dass der Vater das Geld zur Verfügung stellt. Er faxte die Bankbestätigung aus Deutschland, endlich fertig mit allem.

Fertig mit mir selbst, kaputt, nichts gegessen, drei Tage, vier Schachteln Zigaretten am Tag, komplett fertig. Ich habe ca. fünf Kilo abgenommen, die Uhr rutscht an meinem Arm hin und her, als wenn sich das Titanarmband um fünf Millimeter erweitert hätte. Augenringe, unrasiert.

Aber: Wir haben den Burschen gefasst und unser Geld wieder, können alle Geschädigten auszahlen. Dank des herzensguten Vaters... Und wir haben unseren Stolz bewahrt, nichts war umsonst. Am Anfang waren wir skeptisch, aber nur untätig wollten wir auch nicht sein, wir wollten es auf jeden Fall versuchen, unser Geld zurück zu bekommen.

Homepage der Grünen Oase in Chiang Mai

 

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