Erstes Transen-Zentrum in Thailand
In Pattaya ist das erste Beratungszentrum für Transsexuelle eröffnet worden.
Von Carsten Weidemann
"Sisters" heißt das erste Beratungszentrum für Transsexuelle in Thailand. Es wurde auf der Soi Yensabai im Süden Pattayas von der amerikanischen Non-Profit-Organisation Population Services International (PSI) eröffnet. Die 1970 in Washington gegründete PSI betreibt gesundheitliche Aufklärung in Entwicklungsländern mit einem Schwerpunkt auf HIV-Prävention.
PSI-Sprecher Olivier Le Touze begründet das Engagement für Transsexuelle damit, dass diese Bevölkerungsschicht in Thailand nach wie vor sehr diskriminiert wird und kaum Anlaufstellen hat. "Es gibt andere Programme, die Männer ansprechen, die Sex mit anderen Männern haben. Aber Transgenders sind wegen des Stigmas, das auf ihnen lastet, sehr viel gefährdeter für HIV-Infektionen. Sie haben deswegen oft ein geringeres Selbstbewusstsein."
Sämtliche Angestellte des Zentrums sind selbst transsexuell. "Hier kann ich mich anziehen, wie ich will, sein, wie ich bin und jeder wird mich verstehen", sagt die 22-jährige Jumpol "King" Sritala der "Bangkok Post". Sie ist bei "Sisters" für die Aufklärungsarbeit zuständig und hat selbst Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht. Die studierte Veterinärmedizinierin hatte zuvor wegen ihrer Transsexualität keine Anstellung gefunden. Die Begründungen der Arbeitgeber waren manchmal abenteuerlich: Sie habe zu langes Haar oder ihre Kleidung entspreche nicht den Ansprüchen der Firma. "Ich will hier erreichen, dass die Gesellschaft uns akzeptiert und dass wir mit anderen zusammenarbeiten können, egal ob Mann oder Frau."
Das Zentrum steht allen Transsexuellen offen, es gibt bereits 113 angemeldete Mitglieder. Einzige Bedingung: Die Frauen dürfen nicht ihre männlichen Partner mitbringen.
In Pattaya leben zirka 700 bis 1.000 Transsexuelle, während der Touristensaison steigt ihre Zahl sogar auf über 1.300.
2. November 2005
» versenden | » drucken
|