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  Aktuelles aus Thailand > 22. August 2005
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Nong Toom will keine Heldin sein

Als Frau nicht mehr im Boxring: Nong Toom
Ihr Leben wurde in "Beautiful Boxer" verfilmt. Interview mit Ex-Boxchampion Parinya Charoenphol

Von Micha Schulze

Er kämpfte wie ein Mann, um eine Frau zu sein: Ex-Boxchampion Parinya Charoenphol alias Nong Toom sorgte in Thailand für Schlagzeilen, weil er mit Lippenstift und Rouge in den Boxring stieg. Sein Leben wurde in dem preisgekrönten Drama "Beautiful Boxer" verfilmt. gay-thailand.de sprach mit dem heutigen Model, wie ihre Geschlechtsumwandlung und der Film ihr Leben verändert haben.

Dein Leben wurde nicht nur verfilmt, "Beautiful Boxer" macht Menschen auch Mut, ihren eigenen Weg zu gehen. Siehst Du Dich als Vorbild, als Heldin?

Nein, ich fühle mich überhaupt nicht wie eine Heldin. Ich möchte auch gar keine Heldin sein. Ich bin glücklich, dass ich ein ganz normales Leben führe. Natürlich freut es mich, wenn ich der Gesellschaft irgendwie nützlich sein kann.

Das ist eine sehr "weibliche" Antwort…

Vielleicht. Aber ich bin wirklich nicht gut genug, um eine richtige Heldin zu sein.

"Er kämpft wie ein Mann, um eine Frau zu sein" ist einer der Werbe-Slogans für den Film. Kannst Du Dich mit ihm identifizieren?

Eindeutig ja. Das ist meine Geschichte. Im Jahr 1999 ist ein langer Traum für mich in Erfüllung gegangen: Als Mann habe ich ein Krankenhaus in Bangkok betreten, um es als Frau wieder zu verlassen. Endlich sind mein Körper und meine Seele eins. Das war ein sehr langer Weg. Nur mit den Preisgeldern aus den Boxwettkämpfen konnte ich mich und meine Eltern ernähren und gleichzeitig das Geld für die Geschlechtsumwandlung ansparen.

Was heißt es für Dich, eine Frau zu sein, ein Mann zu sein?

Ein Mann ist mutig, großzügig und stark im körperlichen Sinne. Eine Frau dagegen ist freundlich, hilfsbereit und stark im Willen.

Arbeitet jetzt als Model: Nong Toom auf Promotour in Europa
Wann war Dein letzter Boxkampf?

Vor etwa drei Jahren, also einige Zeit nach der Operation. Manchmal habe ich noch heute große Lust, zu kämpfen, aber ich komme einfach nicht dazu. Wenn man im Ring Erfolg haben will, muss man viel trainieren. Ich habe jetzt die Gelegenheit, als Model und Schauspielerin zu arbeiten, und daher nicht mehr so viel Zeit. Hinzu kommt, dass ich als Frau mit weiblichem Körper nicht an den großen, offiziellen Box-Wettkämpfen in Thailand teilnehmen darf. Aber es stimmt schon: Manchmal vermisse ich es, im Ring zu stehen.

Aber Boxen ist doch gar nicht "weiblich"… Darf eine Frau denn mit Fäusten kämpfen?

Na ja, auch meine Eltern wollen nicht, dass ich wieder boxe….

Als Junge hast Du mit Lippenstift und Make-up im Boxring gestanden. Gab es da nie Probleme mit den konservativen Sportfunktionären?

Nein, wirklich nicht. Es wurde zwar hinter meinem Rücken geredet, und nicht alle waren damit einverstanden. Aber mein Trainer hat stets zu mir gehalten. Ich habe zudem gegen keine einzige Regel verstoßen. Im thailändischen Boxsport ist es nirgendwo verboten, dass man sich schminkt. Einzige Bedingung ist, dass man körperlich ein Mann sein muss. Hinzu kam, das ich ja zahlreiche Kämpfe gewonnen habe, da konnte ich mir das Schminken wahrscheinlich eher erlauben als ein Looser, über den man sich lustig gemacht hätte.

Gibt es in Thailand viele schwule und transsexuelle Boxer?

Soweit ich weiß, war ich die erste. Aber jetzt gibt es schon einige, die an den großen Wettkämpfen teilnehmen. Jeder kann es tun. Allerdings haben die meisten Jungen und Männer, die eher weiblich fühlen, wenig Lust auf einen solch harten Sport.

Gab wichtige Tipps bei den Dreharbeiten: Nong Toom mit Hauptdarsteller Asanee Suwan
Du warst die erste - also doch eine Vorreiterin, eine Heldin?

Nein, ich will eine ganz normale Person sein.

Aber es gibt nicht nur in Thailand, sondern auch in anderen Ländern, in denen der Film gezeigt wurde, jede Menge Ladyboys, die Dich vergöttern…

Das mag stimmen. Ich habe auf den Film viel positives Feedback bekommen und zahlreiche Briefe aus aller Welt von jungen Schwulen und Transsexuellen. Ich bin glücklich, dass ich einigen Menschen dabei helfen konnte, zu sich selbst zu stehen.

Schon bevor der Film in die thailändischen Kinos kam, wurde für ihn beim Gay Pride in Bangkok ordentlich die Werbetrommel gerührt…

Das war okay, aber ich selbst hätte dies nicht so forciert. Ich möchte nicht in eine Schublade gesteckt werden.

Du möchtest nicht vereinnahmt werden?

Nein, ich möchte nur nicht falsch verstanden werden. Mein Wunsch, weiblich zu sein, ist nur ein Teil meiner Persönlichkeit.

Ja, unter anderem bist Du seit dem Filmerfolg auch eine tüchtige Geschäftsfrau und veranstaltest Box-Kurse…

Das stimmt. Neben meiner Arbeit im Entertainment-Business betreibe ich mit einem Partner eine Schule in Bangkok, in der man das Kick-Boxen lernen kann.

Mit vielen queeren Schülern?

Jeder ist dort willkommen. Lippenstift ist keine Voraussetzung, um in meiner Schule das Kämpfen zu lernen.

Filmkritik: Mit Make-up im Boxring
Interview mit Hauptdarsteller Asanee Suwan

 

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