Online-Dating in Thailand?
Auf gayromeo & Co. tummeln sich auch Hunderte Thais, die sich regelrecht auf alle Ausländer stürzen.
 | | Sehr kontaktfreudig: gayromeo-User in Bangkok | Von Carsten Weidemann
Wer auf dem Datingportal gayromeo seinen Wohnsitz von Deutschland nach Thailand verlegt, wird sich über zu wenig Interesse kaum beklagen können. Obwohl nicht einmal 800 User im ehemaligen Siam registriert sind, stürzen sie sich regelrecht auf alle Farangs, die dort online sind. Fast im Minutentakt erreichen einen plötzlich neue Messages - vom einfachen "Hi, how are you?" bis zum eindeutigen "I’m bottom" plus Telefonnummer…
Erfahrungen, über die nicht nur gayromeo-User berichten. Auch auf den anderen internationalen Dating-Portalen wie gaydar, gay.com oder gayroyal ist man als weißer Mann in Bangkok, Pattaya oder Phuket begehrt und wird mit Nachrichten regelrecht überschüttet. Besonders heftig ist es, wenn man gerade online ist.
Ist Thailand damit das Paradies für Online-Dates? Nur bedingt: Wer schon einmal in das Land des Lächelns gereist ist, weiß, wie einfach es auch in einer Bar, Sauna oder selbst in Bangkoks Skytrain ist, einen anderen schwulen Mann kennen zu lernen. Diese ganz besondere Cruising-Atmosphäre spiegelt sich lediglich auch im Internet wider.
Und natürlich wird auch unter Thailands Online-Usern kräftig geflunkert. Werner aus Gelsenkirchen chattete beispielsweise mit einem jungen Mann, der ihn nach Krabi in sein Haus einlud. Am dortigen Flughafen angekommen, stellte sich jedoch heraus, dass er gar kein Haus besitzt. Und nicht jeder "Student" auf gayromeo & Co. geht wirklich jeden Tag zur Universität. In den Datingportalen tummeln sich auch viele Jungs, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, sich von Ausländern aushalten zu lassen.
Manche Farangs, die in Thailand leben, haben ihre Datingprofile bereits gelöscht oder deaktiviert. In dem neuen Buch "Gay Online Dating" gibt es einen solchen Erfahrungsbericht, den wir hier dokumentieren:
 | | Andere Länder, andere Sitten: Das Buch 'Gay Online Dating' gibt Tipps | "Seit etwa einem halben Jahr lebe ich jetzt in Bangkok. Mein Job bei einem internationalen Konzern hat mich nach Thailand geführt, zuvor hatte ich auch schon in Hongkong gearbeitet. Ich bezog ein Condo mit Internetanschluss, und nachdem ich mich dort und im Büro etwas eingelebt hatte, wollte ich allmählich auch ein paar Männer kennen lernen. Das schien nicht schwer: Ich wechselte in meinem gaydar-Profil den Wohnort auf Bangkok, und bekam umgehend jede Menge Nachrichten von gut aussehenden Thais. Es schien fast so, als ob die nur auf mich gewartet hätten. Mit Nat, dem hübschesten von allen, verabredete ich mich für den Samstag. Da ich erst mal niemanden Fremdes in meine Wohnung lassen wollte, schlug er als Treffpunkt eine kleinere, aber zentral gelegene schwule Sauna vor: die ‚X2’ zwischen Silom und Suriwong Road.
Da man in Bangkok nie weiß, wie viel Stau auf einen wartet, machte ich mich am Samstag zeitig auf den Weg. Ich schloss mein Condo ab und traf im Flur auf einen unglaublich gut aussehenden Nachbarn. Er grinste mich die ganze Zeit unverschämt an, als wir von dem Fahrstuhl warteten. "Sexy man", sagte er auf der Fahrt nach unten, griff mir in den Schritt, und wir fuhren wieder hinauf in mein Condo …
Zwanzig Minuten später machte ich mich erneut auf den Weg zu meinem Date. An der Straße hielt ich ein Taxi an und erklärte dem jungen Fahrer mein Ziel. "X2 is gay sauna hehehe", kicherte der, und schaute mir tief in die Augen: "Why sauna? Why not take me? Hehehe" Zugeben, auch der Taxifahrer war ein äußerst attraktiver Mann, aber ich wollte es vor meinem ersten Date in Bangkok nun nicht wirklich übertreiben.
Bei der ‚X2’ angekommen, parkte er das Taxi in der Nähe des Eingangs, meinte "no charge für you, hehehe, special service today, hehehe" - und folgte mir in die Sauna. Ich schaute auf die Uhr: eine halbe Stunde vor der verabredeten Zeit mit Nat, wir waren schnell und staufrei durch die Stadt gekommen. Bereitwillig ließ ich mich vom Taxifahrer in eine der Kabinen ziehen.
Etwa zwanzig Minuten später traf ich auf der Dachterrasse schließend Nat. "You look tired", sagte mein Online-Date, legte seine Hand auf meine Oberschenkel und begann mich zu streicheln …
Heute weiß ich: In Thailand funktioniert das mit dem Dating etwas anders als in Deutschland. Eine Online-Verabredung auszumachen, ist viel aufwändiger und komplizierter, als auf der Straße einfach alle Augen und Ohren offen zu halten. Meine gaydar-Premiummitgliedschaft habe ich längst gekündigt - zumindest solange ich in Bangkok lebe …"
Das Buch "Gay Online Dating - Das ultimative Handbuch fürs schwule Chatten, Verabreden und Bloggen ist im April 2005 im Bruno Gmünder Verlag erschienen (208 Seiten, Broschur, 12,95 Euro). Mehr Infos und Bestellmöglichkeit bei Amazon
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